M. E. X.Rietzler

Zwischen Haut
und Haltung

Körper als Verhandlung von Identität
Oldenburg · 17.-28. Juni 2026
bereit
Zwischen Haut und Haltung
Zur Ausstellung

Zwischen Haut und Haltung

Diese Ausstellung versammelt Arbeiten, die den Körper als Ort von Identität, Zuschreibung und innerer Verhandlung zeigen.

Zwischen Sichtbarkeit und Rückzug entstehen Zustände, die nicht eindeutig sind. Die Werke folgen keiner linearen Erzählung, sondern zeigen unterschiedliche Perspektiven auf denselben Kern: den Körper als Prozess.

Zum Rundgang

Die Ausstellung frei lesen

Die Ausstellung ist als offener Rundgang angelegt. Die Reihenfolge der Werke ist nicht zwingend — sie ergibt sich aus den Räumen und dem eigenen Blick. Jedes Bild steht für sich.

Diese Website begleitet den Besuch mit Werkabbildungen, kurzen Texten und Basisinformationen. Sie ersetzt nicht die eigene Wahrnehmung, sondern unterstützt sie.

Kunst entsteht im Blick. Nicht in der Reihenfolge.

Artist Note

Who I am

Who I am

2022 - Acryl auf Leinwand - 30 x 40 cm

Ich arbeite mit dem Körper als Ausgangspunkt. Nicht als Abbild, sondern als Ort, an dem sich Erfahrung einschreibt.

Die Figuren entstehen aus Schichtung, Überarbeitung und Reduktion. Sie zeigen keine festen Identitäten, sondern Zustände — zwischen Präsenz und Rückzug.

Die Arbeiten stellen keine Antworten bereit. Sie öffnen einen Raum, in dem sich Haltung erst im Blick formt.

Ausstellungsübersicht
I

Der exponierte Körper

Raum 1

II

Fragmentierung und Rückzug

Raum 2

III

Ambivalente Nähe

Raum 3

IV

Bewegung und Übergang

Raum 4

I

Kapitel I
Der exponierte Körper

Sichtbarkeit · Erwartung · Druck
Der Körper tritt sichtbar hervor und wird zur Projektionsfläche. Haltung entsteht nicht aus innerer Sicherheit, sondern als Reaktion auf äußere Erwartungen. Präsenz bedeutet hier nicht Kontrolle, sondern Aushalten. Sichtbarkeit wird zum Spannungszustand zwischen Selbstbild und Zuschreibung.
Ziel
I — Der exponierte Körper

Ziel

Körper unter Druck
2026 · Acryl auf Leinwand · 100 × 120 cm

Fast erreicht. Ein goldener Punkt — das Ziel. Die Anstrengung dahinter bleibt unsichtbar, ihre Herkunft offen. Ob dieses Ziel je das eigene war, fragt das Bild nicht. Es zeigt nur die Nähe.

Körper · Sichtbarkeit · Druck · Haltung · Erwartung
Here I am
I — Der exponierte Körper

Here I am

Präsenz als Risiko
2025 · Mix Acryl auf Leinwand · 50 × 70 cm

Der Titel behauptet Präsenz. Das Bild zeigt Zurückhaltung. Der Körper tritt hervor, aber die Oberfläche bleibt fragil. Sichtbar sein bedeutet hier nicht Kontrolle — sondern das Risiko, gelesen zu werden, bevor man sich selbst definiert hat.

Präsenz · Oberfläche · Risiko · Sichtbarkeit · Spur
Exposed
I — Der exponierte Körper

Exposed

Sichtbarkeit ohne Erwiderung
2026 · Acryl auf Leinwand · 50 x 70 cm

Ein nackter Oberkörper, voll im Bild — und trotzdem abwesend. Der Blick geht nach innen, die Präsenz verweigert den Kontakt. Exposed fragt, was es bedeutet, gesehen zu werden, ohne es gewollt zu haben.

S i c h t b a r k e i t · B l i c k · E n t z u g · P r ä s e n z · V e r w e i g e r u n g · O b e r f l ä c h e · K ö r p e r · E x p o s i t i o n
Really
I — Der exponierte Körper

Really

Selbstbild und Erwartung

Farben, Linien, Schichten überziehen das Gesicht. Das Porträt wirkt präsent und instabil zugleich. Identität erscheint nicht als Gewissheit, sondern als Reibung — zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was darunter verhandelt wird.

Selbstbild · Zuschreibung · Zweifel · Reibung · Blick
Against all Odds
I — Der exponierte Körper

Against all Odds

Widerstand und Verletzlichkeit
2024 · Mix Acryl auf Leinwand · 80 × 100 cm

Zwei Körper behaupten sich gegen Widerstände. Die Nähe zwischen ihnen ist keine Selbstverständlichkeit — sie ist eine Entscheidung. Ein Moment von Kraft, der gleichzeitig Verletzlichkeit offenlegt.

Widerstand · Bewegung · Kraft · Verletzlichkeit · Balance
Offene Flanke
I — Der exponierte Körper

Offene Flanke

Der herbeigedachte Körper
2025· Mix Acryl auf Leinwand· 80 x 100 cm

Abgewandt - aber nicht allein. Die Figur trägt im Rücken, was sie nicht ausspricht: einen Körper, der nicht da ist. Offene Flanke zeigt Begehren als Zustand, nicht als Handlung. Was fehlt, ist bereits im Bild.

Sehnsucht· Imagination· Körper· Begehren· Abwesenheit· Projektion· Männlichkeit· Verletzlichkeit
II

Kapitel II 
Fragmentierung und Rückzug

Zweifel · Erinnerung · Selbstabschirmung
Kapitel II bildet das Zentrum der Ausstellung. Identität zieht sich hier nicht nur zurück, sondern verdichtet sich in Zweifel, Erinnerung und Selbstabschirmung. Der Körper wird zum Innenraum.
Zweifel
II — Fragmentierung und Rückzug

Zweifel

Denken als körperlicher Zustand
2024 · Acryl auf Leinwand · 50 × 70 cm

Der Körper zieht sich in sich zurück. Die Geste wirkt kontrolliert und zugleich fragil. Zweifel erscheint nicht als Störung, sondern als Haltung — das Innehalten, bevor eine Antwort entsteht. Denken wird sichtbar als körperlicher Zustand.

Zweifel · Denken · Körperzustand · Sammlung · Fragilität
Leerlauf
II — Fragmentierung und Rückzug

Leerlauf

Der Körper im Standby
2026· Acryl auf Leinwand· 120 x 140 cm

Der Körper hat aufgehört. Nicht als Entscheidung — als Zustand. Die Arme hängen, die Augen gesenkt. Hier beginnt Kapitel II: nicht mit Zusammenbruch, sondern mit dem Moment davor. Rückzug als erster stiller Atemzug.

E r s c h ö p f u n g · S t i l l s t a n d · K ö r p e r · R ü c k z u g · L e e r e · S t a n d b y · H a l t u n g · I n n e h a l t e n
Between Homes I
II — Fragmentierung und Rückzug

Between Homes I

Zwischen Orten und Selbstbildern
2024 · Mix Acryl auf Leinwand

Eine Figur zwischen Orten und Zuschreibungen. Der Körper erscheint suchend, offen, noch nicht gefestigt. Identität zeigt sich als Zwischenzustand.

Zwischenraum · Suche · Profil · Identität · Übergang
Between Homes II
II — Fragmentierung und Rückzug

Between Homes II

Fortsetzung statt Korrektur
2025 · Mix Acryl auf Leinwand

Das Motiv kehrt zurück — verändert durch Zeit. Eine zweite Silhouette im Hintergrund, wie eine Erinnerung oder ein früheres Selbst. Der Körper wirkt geerdeter, aber nicht abgeschlossen. Identität zeigt sich als Fortsetzung, nicht als Ergebnis.

Wiederkehr · Zeit · Verdichtung · Fortsetzung · Identität
Rückzug im Neuen
II — Fragmentierung und Rückzug

Rückzug im Neuen

Aktive Selbstabschirmung

Der Körper entzieht sich aktiv dem Blick. Sichtbarkeit wird abgewehrt. Ein Moment der Selbstabschirmung.

Selbstabschirmung · Blickabwehr · Grenze · Rückzug im Neuen · Körper
Gegen den Blick
II — Fragmentierung und Rückzug

Gegen den Blick

AKTIVE ABSCHIRMUNG
2026 · Acryl auf Leinwand · 80 × 60 cm

Der Körper entzieht sich nicht einfach — er organisiert Abstand. Die Haltung ist gekrümmt, aber nicht schwach. Arm und Objekt bilden eine Barriere, die den Blick umlenkt und zurückweist. Sichtbarkeit wird hier nicht verloren, sondern aktiv unterbrochen. Gegen den Blick beschreibt den Moment, in dem der Körper die Beziehung zur Außenwelt reguliert — nicht als Flucht, sondern als Entscheidung.

ABSCHIRMUNG · GRENZE · SICHTBARKEIT · ENTZUG · KÖRPER
Unguarded
II — Fragmentierung und Rückzug

Unguarded

Abwehr durch Oberfläche

Der Körper verbirgt sich im Stoff und bleibt zugleich exponiert. Kleidung wird zur kurzfristigen Hülle gegen den Blick. Schutz erscheint hier als Geste der Abwehr, nicht als Sicherheit.

Kleidung · Abwehr · Oberfläche · Sichtbarkeit · Schutz
Wissen
II — Fragmentierung und Rückzug

Wissen

Erkenntnis als Überforderung

Der Körper reagiert auf sich selbst. Die Geste ist intensiv, fast überfordernd. Erkenntnis erscheint nicht als Lösung.

Wissen · Überforderung · Geste · Erkenntnis · Körper
Zwischen Kapitel II und III
Übergang
I am forever
Übergang · Kapitel II → III

I am forever

Mythos als Selbstbehauptung
o.J. · Acryl auf Leinwand · 160 × 100 cm

Ein Körper steht. Um ihn herum: alles gleichzeitig, Gruppen, Paare, Einzelne, Gesten ohne Absender. Der liegende Körper im Vordergrund bildet den Gegenpol: Schwere gegen Präsenz, Endlichkeit gegen Behauptung. I am forever ist keine Aussage über Unsterblichkeit. Es ist der Versuch, sich gegen das Vergehen zu stellen, laut, kollektiv und trotzdem allein. Das Bild steht nicht am Anfang und nicht am Ende. Es steht dazwischen, als Erinnerung daran, dass Körper nie allein verhandelt werden. Immer ist da das Kollektiv: als Folie, als Druck, als Spiegel, den man nicht entkommt.

Masse · Behauptung · Mythos · Sichtbarkeit · Körper
← Kapitel II
Fragmentierung
und Rückzug
Kapitel III →
Ambivalente
Nähe
III

Kapitel III
Ambivalente Nähe

Beziehung · Intimität · Rolle
Nähe entsteht als Möglichkeit und Risiko zugleich. Die Figuren suchen Verbindung, ohne sich vollständig aufzulösen. Intimität bleibt ein fragiles Gleichgewicht.
Freie Valenz
III — Ambivalente Nähe

Freie Valenz

Bindung ohne Berührung
2026· Mix Acryl auf Leinwand· 80 x 100 cm

Zwei Körper. Kein Abstand mehr, keine Berührung noch. Freie Valenz — die Bindungsstelle, die offen bleibt. Das Wasser hält nichts fest. Nähe ist hier kein Angebot. Sie ist eine Kapazität, die keiner von beiden einlöst.

Valenz · Bindung · Körper · Spannung · Spiegelung · Nähe · Männlichkeit · Wasser · Schwelle · Unentschieden
Kritische Masse
III — Ambivalente Nähe

Kritische Masse

Nähe als Reaktion
2024/26 · Acryl auf Leinwand · 80 × 100 cm

Zwei Körper, kurz vor dem Aufprall. Kritische Masse ist der Moment, in dem Nähe zur Reaktion wird — unkontrollierbar, unumkehrbar. Die Farbe übernimmt, was Sprache nicht schafft. Keine Zärtlichkeit. Keine Distanz mehr. Nur noch das Feld zwischen ihnen.

Explosion · Körper · Kontakt · Farbe · Intensität · Nähe · Männlichkeit · Reaktion · Auflösung
Hold me
III — Ambivalente Nähe

Hold me

Halt und Unsicherheit
2026 · Öl auf Leinwand · 50 × 70 cm

Die Umarmung wirkt ruhig — die Atmosphäre bleibt kühl. Nähe als Halt und Unsicherheit zugleich. Das Bild lässt offen, ob dieser Kontakt schützt oder begrenzt, ob er Verbindung bedeutet oder Abhängigkeit.

Umarmung · Halt · Unsicherheit · Schutz · Abhängigkeit
Traum
III — Ambivalente Nähe · Neue Werkkarte

Traum

Anwesenheit des Abwesenden
2026 · Mix Acryl auf Leinwand · 70 × 100 cm

Die Figur wendet sich ab — aber nicht vom Anderen weg. Sie wendet sich ihm zu, obwohl er nicht da ist. An der Wand hinter ihr: ein Umriss, eine Kontur ohne Körper, ein Gegenüber das nur als Spur existiert. Nähe, die nicht stattfindet, aber auch nicht aufhört. Traum zeigt keinen Schlaf und keine Sehnsucht im sentimentalen Sinn. Es zeigt den Moment, in dem Verbindung zur inneren Konstruktion wird — weil der Andere fehlt, weil er erinnert, projiziert oder ersehnt wird.

Der Körper ist präsent, intensiv orange, fast schmerzhaft konkret. Das Bild dahinter ist das Gegenteil: unfassbar, flüchtig, schon halb verschwunden. Zwischen beiden: der Abstand, der Intimität definiert.

Projektion · Sehnsucht · Abwesenheit · Körper · Innenbild · Nähe
Halt
III → IV · Ambivalente Nähe / Bewegung und Übergang

Halt

Zwischen Griff und Sturz
2026 · Mix Acryl auf Leinwand · 160 × 140 cm

Oben ein Körper mit Flügeln — verwundet, das Rot läuft herab. Unten ein kniender, der greift. Nicht um zu besitzen. Nicht um zu retten. Um zu halten, solange es geht. Die Sneakers brechen den Mythos auf: das ist kein Ikarus, das ist jetzt. Halt beschreibt den Moment, in dem Nähe in Bewegung kippt — in dem aus Verbindung Transformation wird, ohne dass jemand gefragt hat, ob er bereit ist.

Sturz · Griff · Asymmetrie · Verwundung · Übergang · Mythos · Körper
IV

Kapitel IV
Bewegung und Übergang

Transformation · Kontrollverlust · Möglichkeit
Der Körper gerät in Bewegung. Orientierung löst sich auf, neue Zustände entstehen. Übergang wird zum zentralen Moment. Still setzt dem Übergang kein Ende — es hält ihn an.
Bodenlos
IV — Bewegung und Übergang

Bodenlos

Verlust der Verankerung

Der Körper hat den Kontakt zum Boden verloren — nicht dramatisch, sondern still. Die vertraute Ordnung gerät ins Wanken, ohne dass klar wäre, was folgt. Bodenlos beschreibt den Moment, in dem Sicherheit aufhört und neue Orientierung noch nicht begonnen hat.

Orientierung · Fall · Kontrollverlust · Raum · Möglichkeit
Into the Light
IV — Bewegung und Übergang

Into the Light

Offener Übergang
2025 · Acryl auf Malplatte · 45 × 65 cm

Der Körper bewegt sich aus der Dunkelheit — ohne klare Richtung. Die Figur löst sich auf im Farbrauschen, zwischen Erscheinen und Verschwinden. Into the Light ist kein Versprechen. Es ist ein Zustand.

Licht · Veränderung · Prozess · Offenheit · Übergang
Sprung
IV — Bewegung und Übergang

Sprung

Entscheidung und Kontrollverlust
2026 · Acryl auf Leinwand · 50 × 70 cm

Der Körper im Übergang. Die Entscheidung ist gefallen — Kontrolle ist es nicht mehr. Der Sprung beschreibt den Moment, in dem Handeln beginnt und Absicherung endet. Was folgt, bleibt offen.

Übergang · Risiko · Entscheidung · Zwischenraum · Bewegung
Jugend
IV — Bewegung und Übergang

Jugend

Möglichkeit und Ungewissheit
2020 · Acryl auf Leinwand · 30 × 40 cm

Geschlossene Augen. Stille Oberfläche. Der Körper wirkt leicht — aber nicht frei von dem, was noch kommt. Ein Zustand zwischen Offenheit und Ungewissheit, bevor die Fragen beginnen.

Jugend · Übergang · Möglichkeit · Spannung · Offenheit
Stille
IV — Bewegung und Übergang

Stille

RUHE NACH DER BEWEGUNG
2026 · Acryl auf Leinwand · 70 × 100 cm

Der Körper tut nichts. Das ist keine Aussage — es ist ein Zustand. Keine Geste, keine Richtung, kein Ziel. Die Figur steht, leicht aus der Mitte gerückt, als wäre sie nicht angekommen, sondern einfach zum Stehen gekommen. Der Blick geht vorbei — nicht weg, nicht zu. Irgendwo, wo keine Erwartung wartet.

Still ist das letzte Bild der Ausstellung, aber kein Abschluss. Es löst nichts auf. Es beantwortet nichts. Es hält den Moment, in dem Bewegung aufgehört hat und neues Handeln noch nicht begonnen hat — und fragt nicht, ob das Erschöpfung ist oder Ruhe. Vielleicht ist das dieselbe Frage.

STILLE · ZUSTAND · PRÄSENZ · OFFENHEIT · KÖRPER
Impressum / Kontakt

M. E. X. Rietzler

Oldenburg · 17.-28. Juni 2026
Diese Fassung bündelt den Ausstellungskatalog.
© Alle Bilder und Texte: Michael E. X. Rietzler.
Einleitung
Kapitel IDer exponierte Körper
Kapitel II Fragmentierung und Rückzug
Kapitel IIIAmbivalente Nähe
Kapitel IVBewegung und Übergang